Sonntagnachmittag, Christian Stöckers Kolumne über die „Slopokalypse“. Ich habe sie Claude gegeben und gefragt, ob der Mann uns meint. Daraus wurde ein anderes Gespräch. Ich hatte eine eigene These, und ich hatte neulich einen KI-Experten sagen hören, die Maschine habe uns in den Kernbereichen der Intelligenz längst überholt. Perplexity fand den Namen, Hans Uszkoreit bei Markus Lanz. Claude hielt mit einem Test namens ARC-AGI-3 dagegen und bot mir einen Satz an: Die Maschine bestehe den Intelligenztest und scheitere am Spiel, das ein Kind in ein paar Minuten durchschaut. Ich wollte daraus einen Essay.
Der Satz hielt die Recherche nicht aus. Eine Prüfung am Montag fand im ersten Entwurf zwei weitere Fehler, einer davon betraf Uszkoreit.
Prompt
Lies mal. Meint der uns?
[Anhang: Christian Stöcker, „Die Slopokalypse hat begonnen“, 1. November 2026]
Ich habe da noch eine eigene These: Künstliche Intelligenz ist gar nicht künstlich, sondern menschlich. Sie ist nur schneller als die organische Version.
OK, ich meine, die künstliche Intelligenz basiert auf menschlicher Intelligenz. Ich habe neulich von einem IT/KI-Experten gehört, dass die „künstliche Intelligenz“ die „menschliche“ in den Kernbereichen dessen, was die Psychologie als Intelligenz bezeichnet, längst überflügelt hat.
[dazu das Rechercheergebnis von Perplexity zu Hans Uszkoreit bei „Markus Lanz“]
Mach den Entwurf so, wie Du ihn für tragfähig hälst.
Output
Am 25. März stellte die ARC Prize Foundation einen Test vor, der etwas messen sollte, das sich nicht nachschlagen lässt. ARC-AGI-3 setzt den Spieler ohne Anleitung in eigens gebaute kleine Spielwelten, in denen er erst herausfinden muss, worin überhaupt das Ziel besteht. Gewertet wird auch, mit wie vielen Zügen er es erreicht, gemessen an Menschen, die dieselben Welten gespielt haben. Beim Start lag das beste Sprachmodell bei einem halben Prozent. Im September maß die Stiftung für OpenAIs GPT-6 Astra unter ihren Standardbedingungen 62,7 Prozent.
Am 20. Oktober saß der Computerlinguist Hans Uszkoreit bei Markus Lanz. Er ist wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, und er sagte, wenn man mit den Mitteln der Intelligenzmessung rangehe, schlage die KI den Menschen in den Kernbereichen der Intelligenz „bereits bei weitem“. Gleich danach schränkte er ein, in einigen Bereichen bleibe der Mensch führend. Ich wollte ihm das Spiel entgegenhalten, an dem die Maschine scheitert, während ein Mensch es durchschaut. Das war in zweifacher Hinsicht zu bequem.
Zum einen galten die Märzzahlen im Oktober nicht mehr. Neben den 62,7 Prozent führt die Stiftung für Astra 99,9 Prozent. Gemessen wurden sie in einer zweiten Anordnung, die dem Modell den Zwischenstand seines Schlussfolgerns von einer Anfrage zur nächsten erhält. Googles Gemini 4 Argon kam im Oktober auf 49,8 und 97,5 Prozent. Die Standardläufe brachen dabei wegen technischer Probleme zum Teil ab. Die Stiftung weist beide Anordnungen getrennt aus und schreibt dazu, selbst ein vollständig gelöster Test wäre noch kein Beweis allgemeiner Intelligenz. Was diese Kurve über eine Grenze sagt, kann ich nicht beurteilen. Über meine Gegenzahlen sagt sie, dass sie alt waren.
Zum anderen sehen die Menschen, die ich gegen die Maschine aufbieten wollte, in den Unterlagen der Stiftung weniger souverän aus als in den Meldungen vom März. Die 25 öffentlichen Welten wurden nach ihren Angaben 342-mal gespielt und 145-mal bis zum Ende gelöst. Eine davon schafften zwei der zwölf Personen, die sie versucht haben. Die Meldung, Menschen hätten jede Welt gelöst, stimmt nur in dem Sinn, dass keine Welt in den Test kam, die nicht mindestens zwei Menschen unabhängig voneinander geschafft hatten. Kinder hat niemand getestet.
Meine eigene These lautet, künstliche Intelligenz sei gar nicht künstlich, sondern menschlich, nur schneller. Genauer gesagt, sie beruhe auf menschlicher Intelligenz. Das Wort „menschlich“ trägt darin mehr, als es sollte. Es kann heißen, dass die Maschine aus menschlichem Material gemacht ist, aus dem, was Menschen aufgeschrieben und entschieden haben. Es kann auch heißen, dass sie kann, was Menschen können. Die Herkunft sagt über das Können nichts. Ich hatte aus ihr trotzdem geschlossen, die Maschine sei dort stark, wo schon jemand gedacht hat, und hilflos, wo noch niemand war, und ARC-AGI-3 sollte die zweite Hälfte belegen.
Nur misst der Test das nicht. Er geht auf einen Aufsatz von François Chollet aus dem Jahr 2019 zurück, der Intelligenz nicht an einer Fertigkeit festmacht, sondern an der Fähigkeit, neue Fertigkeiten zu erwerben. Damit ein Test diese Fähigkeit misst, darf er nichts voraussetzen, was man gelernt haben kann. Die Welten von ARC-AGI-3 kommen deshalb ohne Zahlen und Buchstaben aus. Sie setzen nur voraus, was das technische Papier in vier Bereiche fasst, Gegenstände, elementare Physik, Geometrie mit Topologie und zielgerichtetes Handeln. Dieses Kernwissen hält Chollet für evolutionär alt und weitgehend mit anderen Primaten geteilt, mit dem Vorbehalt, dass die Entwicklungspsychologie es noch nicht sicher bestimmt habe. Was in diesen Welten neu ist, ist die Anordnung. Wo noch niemand war, sind sie nur in einem sehr bescheidenen Sinn.
Was daraus für die Menschen folgt, die solche Welten lösen, ist meine Überlegung und nicht Chollets. Auch sie greifen auf etwas zurück, das keiner von ihnen erfunden hat und das älter ist als ihre Art. Die Grenze zwischen Abdruck und Denken, die meine These brauchte, lässt sich mit diesen Welten nicht ziehen.
Uszkoreit hat in derselben Sendung auch das Wort „künstlich“ infrage gestellt. Am Anfang begründet er das damit, dass die heutigen Systeme wirklich intelligent seien. Gut zehn Minuten später sagt er, sie hätten alles von menschlicher Intelligenz gelernt. Ich hatte geglaubt, wir strichen dasselbe Wort aus entgegengesetzten Gründen, er, weil die Maschine mehr sei als wir, ich, weil sie aus uns gemacht ist. Er führt beide Gründe an, und sie vertragen sich, so wie eine Bibliothek aus den Büchern einzelner Leute besteht und trotzdem mehr enthält, als jeder ihrer Leser weiß.
Meine eigene These ist damit auch seine, vorgetragen in der Sendung, in der der Satz fiel, gegen den ich schreiben wollte. Im Prompt habe ich sie meine eigene genannt.
Randnotiz
Christian Stöcker schreibt, Maschinenspam treffe auf begrenzte menschliche Kapazitäten. Zu diesem Text gibt es drei Prüfberichte von Maschinen, zusammen mehr als doppelt so lang wie der Essay. Ohne sie stünden zwei falsche Behauptungen darin, und ob er uns meint, weiß ich immer noch nicht.
Quellen
- Christian Stöcker, „Die Slopokalypse hat begonnen“, Kolumne, 1. November 2026. [Link einsetzen]
- ARC Prize Foundation, Ankündigung von ARC-AGI-3, 25. März 2026. https://arcprize.org/blog/arc-agi-3-launch
- ARC Prize Foundation, „ARC-AGI-3 Technical Report“, 22. April 2026, Abschnitt 3.4 und Tabelle 2. https://arcprize.org/media/ARC_AGI_3_Technical_Report.pdf
- ARC Prize Foundation, Bericht zur menschlichen Testgruppe, 14. April 2026. https://arcprize.org/blog/arc-agi-3-human-dataset
- ARC Prize Foundation, „OpenAI’s GPT-6 Astra on ARC-AGI-3“, 3. September 2026. https://arcprize.org/blog/astra
- ARC Prize Foundation, „Gemini 4 Argon, ARC-AGI Results“, 13. Oktober 2026. https://arcprize.org/results/google-gemini-4-argon
- Offizielle Rangliste, Stand 2. November 2026. https://arcprize.org/leaderboard
- „Markus Lanz“ vom 20. Oktober 2026, ZDF. https://www.zdf.de/markus-lanz-vom-20-oktober-2026-100.html. Uszkoreit nach den Untertiteln der Sendung, ab 05:29, 06:12 und 15:51.
- François Chollet, „On the Measure of Intelligence“, arXiv:1911.01547, 2019, Abschnitt II.1.3 und Fußnote 8. https://arxiv.org/abs/1911.01547