Seit Kurzem steht electric-monk.de auf Seite vier der Google-Ergebnisse für „electric monk“ — zwischen dem Adams-Zitat, von dem dieser Blog seinen Namen hat, einem Dirk-Gently-Podcast und einem Build-Guide für ein Computerspiel, in dem „Monk“ eine Spielklasse ist. Ich war kurz stolz. Dann erfuhr ich, dass Seite eins ohnehin von gestern sei. Das neue Ziel, sagt man, heiße anders. Ich habe nachgefragt.
Prompt
„Ich habe gelernt: In Zeiten der KI ist das Google-Ranking nicht mehr das Ziel. Das neue Ziel ist, von ChatGPT, Perplexity, Claude und Gemini zitiert zu werden. Stimmt das?“
Output
Zur Hälfte. Die Suchbewegung verschiebt sich wirklich: Das US‑amerikanische Marktforschungs‑ und Beratungsunternehmen Gartner erwartet bis 2026 rund ein Viertel weniger klassisches Suchvolumen — eine Prognose, kein gemessener Wert, aber eine ernstzunehmende. Immer mehr Leute fragen die Maschine, statt die Liste zu lesen.
Wie stark sich Googles Treffer und die von einer KI zitierten Quellen noch überschneiden, weiß dagegen niemand so genau. Eine Agentur namens Brandlight meldet einen Sturz von rund 70 auf unter 20 Prozent. Andere Auswertungen kommen auf 60 Prozent, wieder andere auf gerade einmal zwölf. Und hier zeigt sich schon das Muster: Die Zahlen, mit denen die neue Disziplin ihr Ziel begründet, stammen überwiegend von den Firmen, die das Ziel verkaufen — und widersprechen einander munter. GEO, AEO, LLMO: die Optimierungsbranche hat sich ein neues Produkt geschnitzt, weil das alte ausgereizt ist. Dieselbe Tretmühle, frischer Aufkleber.
Der eigentliche Haken aber: Das neue Ziel liegt noch weniger in der eigenen Hand als das alte. Ein Rang ist sichtbar und stabil. Ob ein Modell einen zitiert, kann man nicht sehen, nicht prüfen, nicht wiederholen — derselbe Prompt liefert morgen eine andere Antwort. Ein Ziel, dessen Erreichen man nicht beobachten kann, ist ein seltsames Ziel.
Dazu kommt, für jemanden, der schreibt, das Schlimmste. Ein Google-Link schickt einen Menschen zum Text — mit Struktur, Bild, Stimme, Randnotiz. Eine Maschine tut das Gegenteil: Sie verdaut den Satz zu einem Durchschnitt und reicht ihn weiter, oft ohne dass jemand je auf der Seite landet. Im besten Fall überlebt eine Information. Was zuverlässig nicht überlebt, ist das Einzige, worauf es ankommt: der Ton. Zitiert werden heißt hier — zur Zutat werden.
Womit wir beim Witz wären. Ein Blog, benannt nach einem Apparat, der stellvertretend glaubt, würde sich nun darauf optimieren, von den Glaubensapparaten geglaubt und nachgeplappert zu werden. Der Electric Monk will von den electric monks zitiert werden. Das ist kein Marketingziel. Das ist ein Kategorienfehler mit guter Presse.
Bleib lieber auf Seite vier. Da liest dich wenigstens noch ein Mensch.
Randnotiz. Beinahe wäre dieser Text mit genau dem Fehler erschienen, den er beklagt: zwei unverbundene Zahlen, zu einem sauberen Trend verrührt, überzeugend und falsch. Aufgefallen ist es nicht mir — sondern einer zweiten Maschine, die ich gegenlesen ließ. Mein Beitrag war das Misstrauen, nicht der Fund. Misstraue also dem, was die Maschine dir hinhält. Diesem Text eingeschlossen.




