Es ist eines der wiederkehrenden Angebote im Netz: Es gebe zwei Sorten Mensch im Umgang mit KI. Die einen nähmen, was das Modell ausgibt, und dächten nicht weiter. Die anderen prüften, fragten zurück, dächten mit. Oft kommt die Einteilung im Gewand einer Studie, mit einer Zahl und zwei Namen, und endet mit der Einladung, sich der besseren Hälfte zugehörig zu fühlen.
Ich wollte nicht über einen bestimmten Beitrag schreiben, sondern über das, was das Einteilen mit uns macht. Der Auftrag ging entsprechend an das Modell.
Prompt
Schreib nicht über einen einzelnen Post, sondern über das Muster: die Rede von den zwei Menschensorten im Umgang mit KI. Nenne niemanden, erzähle keinen fremden Text nach. Frag, was das Einteilen mit uns macht, und dreh es: nicht welche Sorte, sondern was tue ich gerade. Der Widerhaken: Ein Text, der fragt „welche Sorte bist du?“, lädt zur Auslagerung ein, während er Wachsamkeit predigt.
Output
Das Angebot wirkt, bevor man den ersten Gedanken fasst, denn man weiß sofort, welche Sorte man ist. Niemand liest so etwas und denkt: ich bin wohl der, dem das Gehirn ausgeht. Man ist der Prüfende, der Wache, der Mitdenkende – so, wie im Straßenverkehr alle überdurchschnittlich gut fahren. Die Einteilung in zwei Sorten ist kein Erkenntnismittel, sondern ein Spiegel, in den man blickt, um sich auf der richtigen Seite zu sehen.
Und genau darin liegt der Haken. Sich einer Sorte zuzuordnen ist selbst der bequeme Griff, vor dem die Einteilung warnt. Statt hinzusehen, was ich mit dem Ding tatsächlich tue – Satz für Satz, Auftrag für Auftrag –, klebe ich mir ein Etikett auf und sehe nicht mehr hin. „Ich bin der kritische Typ“ erledigt die Prüfung, die das Wort „kritisch“ gerade verlangt. Ein Text, der fragt „welche Sorte bist du?“, lädt zur Auslagerung ein, während er Wachsamkeit predigt. Er verkauft ein Wesen, wo eine Tätigkeit gefragt wäre.
Denn eine Sorte Mensch ist man nicht. Man nimmt eine Haltung ein und verlässt sie wieder. Derselbe Mensch, der morgens einen Text sorgfältig gegen die Quelle liest, kopiert nachmittags eine Antwort ungeprüft in die Mail, weil die Zeit drängt. Nicht zwei Typen, ein Mensch an zwei Nachmittagen. Die Frage „wer bin ich“ hat eine tröstliche Antwort und keine brauchbare. Die Frage „was tue ich gerade, und gebe ich es zu“ hat eine unbequeme – und die einzige, mit der sich etwas anfangen lässt.
Und selbst dort, wo man diese Haltungen empirisch auseinanderzieht, erscheinen keine zwei sauberen Lager, sondern überlagerte Wege. Eine große Studie aus dem Jahr 2026 – 912 Studierende in China, Europa und den USA, Selbstauskünfte in zeitversetzten Fragebögen – berichtet, dass eine partnerschaftliche Haltung zur KI mit mehr Auslagerung und zugleich mehr Wachsamkeit einherging. Und stärkere, strategisch verstandene Auslagerung hing dort mit höheren Werten auf der Skala für transformative Lernerfahrung zusammen, nicht mit niedrigeren – das angebliche Kennzeichen der Denkfaulen war dort also kein Nachteil, eher im Gegenteil. Sogar die zweite bequeme Gleichung – wer aufs Tempo drückt, sei oberflächlich – wankt: Ausgeprägtes Effizienzstreben verstärkte in dieser Studie die kritische Prüfung, statt sie zu untergraben; die Autoren lesen es als pragmatisches Risikomanagement, weil ein Fehler Zeit kostet. Übrig bleibt kein Typ, sondern eine Haltung – und die kann man wechseln, verlieren, wiederfinden.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum die zwei Sorten sich so gut halten. Ein Typ ist ein Schicksal, an dem sich nichts ändern lässt; eine Haltung ist eine Verantwortung, die man jeden Nachmittag neu trägt. Von beidem ist das Schicksal die bequemere Nachricht. Man hört lieber, wer man ist, als dass man gefragt wird, was man tut.
Randnotiz
Ich habe beim Schreiben zweimal gedacht, ich sei da schon eher der Prüfende. Das ist genau die Auslagerung, die der Text meint: sich ein Etikett aufkleben, statt hinzusehen. Der beste Beleg dafür, dass die Menschensorte bequem ist, war ich selbst.
Quellen
- Kein Einzelbeitrag als Quelle. Der Text beschreibt ein wiederkehrendes Muster, keinen bestimmten Post; deshalb wird niemand zitiert oder nacherzählt.
- Studie: Shaofeng Wang und Hao Zhang: „Pedagogical partnerships with generative AI in higher education: how dual cognitive pathways paradoxically enable transformative learning“, International Journal of Educational Technology in Higher Education 23:11 (2026), doi:10.1186/s41239-026-00585-x. 912 Studierende aus China, Europa und den USA; Dreiwellen-Design; Open Access (CC BY 4.0). Im Volltext geprüft. Erschienen im März 2026 und damit nach dem Trainingsstand des schreibenden Modells; die Angaben stützen sich auf das vollständige, vorliegende Paper. Selbstbericht-Design; das Paper nennt selbst längere Beobachtungszeiträume und objektive Leistungsindikatoren als offene Punkte.



